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125 Jahre Aarauer Stadtgeschichte lassen sich auch in bewegten Bildern erzählen: In ersten Filmaufnahmen um 1900, in einem Amateurfilm zur Kettenbrücke, in einer professionellen Filmproduktion über die Kern & Co. AG, in einem Telli-Schulfilm und in Imagefilmen oder in Skatervideos. Jacqueline Maurer Ihren regelmässigen Fernsehauftritt hatte Aarau bekanntlich von 2013 bis 2019 in den sieben Staffeln «Der Bestatter» des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF). Hie und da waren prominente Schauplätze zu erkennen, etwa der legendäre Ömers Imbiss. Den ersten Auftritt im Kino hatte Aarau allerdings bereits um 1900, als die Filmkunst noch in ihren Kinderschuhen steckte. Die Brüder Lumière, Pioniere des Films, schickten ihre Kameraleute damals rund um den Globus. Auch Aarau geriet dabei vor die Kamera. Drei Aarauer Filme sind im Lumière-Katalog verzeichnet: Die Szenen dokumentieren eine Schiessübung im Roggenhausentäli, den Maienzug in der Kasinostrasse und Übungen der Kavallerie im Schachen. Die kurzen Aufnahmen gehören zu den frühesten filmischen Zeugnissen der Stadtgeschichte. Von der Kettenbrücke zur ersten Betonbrücke Wie die Kettenbrücke aus dem 19. Jahrhundert der ersten Betonbrücke wich, zeigt «Kettenbrücke Aarau» von 1948/49 so eindrücklich wie anschaulich. Zuerst wurde eine Notbrücke neben der historischen Brücke erstellt. Danach folgte deren Abbau: Arbeiter zerteilten Stahlteile mit Metallfräsen und bauten die Brückentore Stein für Stein ab. Der Film präsentiert das Leergerüst und wie die neue Brücke mit Ortsbeton, also vor Ort gemischtem Beton, errichtet wurde. Das moderne Bauwerk bestand den Härtetest unter dem Gewicht der Walzen-Baumaschinen. Das Brückenfest vom 6. November 1949 weihte die Neue Aarebrücke mit offiziellen Reden und mit Umzügen von Schulklassen, Orchestern und unzähligen Schaulustigen ein. Die rund 30-minütige Dokumentation wurde von den Industriellen Betrieben Aarau IBA, die heutige eniwa, produziert. Dank Dokumentarfilm von Aarau bis ins All? 1955 beauftragte die Kern & Co AG Aarau die Zürcher Condor-Film AG mit dem Fachfilm «Modernste Vermessungsinstrumente». Drehbuch, Regie und Kamera verantwortete der in Berlin ausgebildete Baselbieter Otto Ritter. Die 30-minütige Dokumentation setzt als Kostümfilm im Jahr 1819 ein, als Jakob Kern die Firma gründete. Dann folgt die damalige Jetztzeit mit Arbeiten in der Fabrik für die Produktion jedes Einzelteils und den Zusammenbau zu komplexen Instrumenten. Der Hauptteil des Films widmet sich deren Anwendungen, sei es auf dem Flugplatz, auf Strassen oder in den Bergen. Ritters ansprechende Vermittlung eines komplexen Themas lobte ein NZZ-Journalist in höchsten Tönen: «[…] [G]estalterisch hat hier Ritter einen Dokumentarfilm geschaffen, der zum Besten gehört, was wir bisher in unserem Land gesehen haben.» Die verschiedenen Sprachversionen erlaubten, die Kern & Co AG samt ihren Instrumenten weltweit bekannt zu machen. Wenige Jahre später schafften es Produkte aus Aarau sogar ins All: Kern entwickelte Linsen für die NASA, die in den 1960er-Jahren zum Einsatz kamen.
Von der Wohnungsnot zur Telli-Erfolgsgeschichte Auch die Telli-Blöcke lassen sich filmisch über Jahrzehnte hinweg verfolgen. Im Fernsehbeitrag «Wohnungsnot in Aarau» von 1981 waren sie noch im Bau. Die Gruppe «Wohnen in Aarau» wirft darin der Stadtregierung vor, nicht für den Erhalt günstigen Wohnraums in der Altstadt zu sorgen. Stattdessen würden dort Luxusrenovierungen und Bürobauten realisiert und Familien in die Aussenquartiere verdrängt. Stadtammann Markus Meyer, der wirtschaftlich argumentiert, wird entsprechend vor einem Telli-Block im Rohbau interviewt. Zwei Jahre später besucht Kurt Aeschbacher in der Live-Schaltung von «Dörfed mer inecho?» den 12-jährigen, selbstbewussten Patrick Egger zu Hause. Nochmals 30 Jahre danach wiederholt «Aarauer Bronx: Telli» den Telli-Besuch. Die Sekundarschule 3a der OSA gewann damit 2013 einen 2. Preis an den Schweizer Jugendfilmtagen. Rapper Derderic singt über die Telli, Reporter Salomon interviewt in der Telli: Bewohnende, eine Spielgruppenleiterin, den Gemeinschaftszentrum-Leiter, einen Primar- und Posaunenlehrer sowie den Rapper. 40 Nationen waren es damals, mittlerweile sind es 65 Nationen, die hier wohnen, so die aktuelle Tele M1-Serie «Telli-Blöcke». Langjährige wie neue Bewohnende schwärmen von der attraktiven Wohnlage und den verschiedenen Aktivitäten, die Zugehörigkeit und Zusammenhalt fördern.
Imagefilme für ein lokales und weltweites Publikum «Happy Aarau Switzerland» von 2014 ist ein stadtweit getragenes und für die weite Welt Positivität ausstrahlendes Video. Inspiriert ist es von Pharell Willliams Musikclip «Happy», der ab 2013 in zig Variationen viral ging. Im Aarauer Video tanzen rund 70 Personen; Institutionen aus Verwaltung, Kultur, Medien, Sport und Gewerbe machten mit. Ebenso das filmische Musikprojekt «Viva La Vida» zelebriert sogenannte architektonische Leuchtturmprojekte wie malerische Gassen und versteckte Nischen, diesmal ohne die Meyerschen Stollen. Der titelgebende Popsong der britischen Band Coldplay wurde dafür neu arrangiert und mit Musizierenden in Szene gesetzt: In der filmischen Montage spielen etwa die Stadtmusik Aarau, singt der Bez Chor oder legt ein DJ auf, dies vor verschiedensten Kulissen und aus oft überraschenden Perspektiven. Am spektakulärsten sind wohl die Tambouren auf den Brückenpfeilern des Pont Neuf; am berührendsten Hubert Schäpper, der seit über 50 Jahren das Glockenspiel im Obertorturm bedient. Auch die Aarauer Standortförderung weiss, wie die Kleinheit Aaraus im offiziellen «Imagefilm» von 2022 ganz gross herauskommen kann. Gewitztes Storytelling gepaart mit Szenen aus der ‘lebendigen Stadt’ zeigen treffen die feine Mélange aus Bodenständigkeit, Kreativität und Weitsicht derer, die in Aarau gerne wohnen, arbeiten, in die Schule gehen und mitgestalten. Die Telli tritt derweil als Aarauer «Skyline» auf.
Skaten von Aarau bis in die USA Einen Steinwurf von der Telli entfernt, hat sich das 30-jährige Skate- & Sportcentrum Rolling Rock etabliert. Es mag Talentschmiede vieler lokaler Skaterinnen und Skater sein, die für die internationale Ausstrahlung der Aarauer Skaterszene sorgen – allen voran das Kollektiv colourgroup und namentlich Skater und Videographer Shqipron Bobaj, kurz Bobaj. Mit Aufnahmen in Super8, mit Camcorder und Fisheye-Optik bringt er ästhetische Skatervideos hervor, die auf Social Media und in US-Skatermagazinen wie Thrasher Magazine kursieren. Beispielhaft für Bobajs Schaffen ist «Michael Brunner – Ny Lalagna Ao Aarau»; notabene 2024 im US-Free Skateboard Magazine publiziert. Beim Fahren und Tricks ausprobieren wird der überdeterminierte Verkehrsraum zum entdeckungsreichen Freiraum. Der madegassische Videotitel, zu Deutsch «Die Strassen von Aarau», zeugt von Brunners Herkunft. Er zeigt, wie der Strassenraum der Kleinstadt ihn als Skater formt, der hier an seinen Skills feilt. Dank Bobajs Videos erreicht Aarau wohl sein grösstes internationales Filmpublikum. Michael Brunner und der Tellirainkreisel (Andy Athanassoglou, 2002) von Bobaj in Szene gesetzt.
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