Stadtgeschichte Aarau
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«Geschichte fällt nicht vom Himmel» – oder warum Aarauerinnen und Aarauer ihre Geschichten erzählen sollen

15/12/2025

 
Das Forschungs- und Vermittlungsprojekt Stadtgeschichte Aarau ist offiziell gestartet. Was das heisst – und was sich Aarauerinnen und Aarauer aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Tourismus davon erhoffen.
von Katja Schlegel
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Das Team von Autorinnen und Autoren der Neuen Stadtgeschichte Aarau (zwei Autoren fehlen auf dem Bild). Foto: Roland Bill.
​Gerechnet hatten sie mit sieben oder neun – geworden sind es 25. Ein Autorenpool voller Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Filmemacherinnen, Pod-Caster und Journalistinnen, die sich nun an die Arbeit machen, Aaraus Stadtgeschichte neu zu erzählen. Im November ist an einer ersten Retraite der offizielle Startschuss zu den Arbeiten gefallen. Bis 2030 wird nun in Aaraus Geschichte geforscht, wobei bereits 2028 die Buchpublikation erscheinen soll.

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Die neue Stadtgeschichte ist für mich ein Herzensprojekt. Es geht um das Verständnis, woher wir kommen und welche Impulse durch welche Kräfte zu unserer Gegenwart geführt haben; dadurch verstehen wir auch unsere künftigen Gestaltungsmöglichkeiten besser.

Hanspeter Hilfiker, Stadtpräsident
Warum eine neue Stadtgeschichte?
Doch der Reihe nach: Warum braucht Aarau überhaupt eine neue Stadtgeschichte? Eine erste Antwort bekommt, wer das Standardwerk von 1978 betrachtet: Ein Wälzer, 809 Seiten stark, textlastig und unübersichtlich, mit vielen wichtigen Männern und wenig Alltag. Ein Werk für Angefressene, ein Kind seiner Zeit.

Antwort Nummer zwei findet sich in der Kulturstrategie der Stadt: «Die Aarauer Kultur ist Ausdruck der Aarauer Lebensqualität. Sie prägt das soziale Zusammenleben, schafft Identität, erweckt die Stadtgeschichte zum Leben und ist Zukunftslabor.»
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Die Stadt will und braucht also eine Neuaufarbeitung ihrer Geschichte. Eine, die Themen beleuchtet, die sich mit der heutigen Lebensrealität von Aarauerinnen und Aarauern verknüpfen lassen, wie es im Projektbeschrieb heisst. «Dazu gehören der gesellschaftliche Wandel insbesondere seit 1950, Migration, Kultur, Wohnen, Information und Medien, Konsum, Freizeit, Sport und Gesundheit, Landschaft und Umwelt(probleme).»

Ich würde mir wünschen, dass im Jahr 2030 ein Grossteil der Bevölkerung auf irgendeine Weise mitbekommen hat, dass sich Aarau mit seiner Geschichte auseinandersetzt. Sei es durch die Podcasts, neues Schul- und Lehrmaterial oder weil sie selbst ihre Geschichte einbringen konnten.                                                                                   
                                                                                         
​Melanie Morgenegg, Leiterin Abteilung Kultur
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Stadtgeschichte​ auf verschiedenen Kanälen
​Die Fragestellungen sind aber nur das eine: Das Projekt Stadtgeschichte Aarau soll nicht einfach nur vom Schreibtisch aus, sondern quasi auch mitten in der Stadt geschrieben werden – unter Mitwirkung der Bevölkerung. Sie sollen ihre Geschichten erzählen, in Erinnerungen kramen. Ganz wichtig: Die Geschichten müssen nicht alt sein, nicht berühmt besetzt, nicht von Erfolg gekrönt. Sondern echt. Das schafft Nähe, das stiftet Identität und letztlich auch Interesse.
Dafür sorgen auch die unterschiedlichen Kanäle, über die die Stadtgeschichte erzählt werden: «Durch die verschiedenen Produkte – Buch, Podcast, Filme, Blogs, Kunstführer durch die Stadt, Zeitzeugengespräche, Vermittlungsformate und so weiter – ist für jeden und jede etwas dabei, das sie anspricht und interessiert», sagt Dominik Sauerländer, der gemeinsam mit Annina Sandmeier-Walt die Projektleitung innehat. Dass das Projekt einen Nerv treffen wird, davon sind die beiden überzeugt: «Man spürt, dass Behörden und Bevölkerung sehr interessiert sind an der eigenen Geschichte. Aarau ist eine geschichtsaffine Stadt», sagt Sandmeier-Walt. Entsprechend gross sei die Bereitschaft, dafür finanzielle Mittel zu investieren – und hoch die Erwartungen.

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Geschichte hat den grossen Vorteil, dass sie für viele Leute einen hohen Unterhaltungswert hat. Den Aarauerinnen und Aarauern sollen gut präsentierte, allgemein verständliche Produkte Freude an der Stadtgeschichte vermitteln. Aber auch Fachleuten wollen wir durch die wissenschaftlichen Standards gerecht werden. 

Raoul Richner, Stadtarchivar
Aar​au neu erzählt
​Das Kernstück des Projekts sind die «Wissenschaftlichen Grundlagen»: Konkret soll eine gedruckte Neue Stadtgeschichte Aarau erscheinen, aufgeteilt auf zwei Bände. Die Publikation bietet einen Überblick zur Gesamtgeschichte Aaraus, beginnend bei den ersten menschlichen Spuren und endend im Hier und Jetzt. Ergänzend zum chronologischen Inhalt, werden gewisse Fokusthemen diachron untersucht, also über die gesamte relevante Zeitspanne hinweg. Jedes Kapitel wird zudem mit einer Auftaktgeschichte aus der neueren Zeitgeschichte eingeführt. Dieses Verknüpfen unterschiedlicher Ansätze und Erzählweisen soll die Stadtgeschichte für eine breite Leserschaft attraktiv machen.

Ich hoffe, dass hier ein Projekt entsteht, das möglichst viele Menschen erreicht und sie verstehen, dass die Geschichte von Aarau auch ihre Geschichte ist. Es gibt nicht DIE Geschichte von Aarau. Geschichte ist vielfältig, vielstimmig und entsteht durch Handlungen der Menschen, die hier gelebt haben und heute hier leben. Geschichte fällt nicht vom Himmel.
                                                                                                          
​Marc Griesshammer, Leiter Stadtmuseum
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Nebst der Buchpublikation bilden die Mitwirkung und der Einbezug der Bevölkerung einen weiteren Teil, ebenso die Vermittlung, etwa in Form von Unterrichtsmaterial für Schulen und verschiedenen Formaten im Stadtmuseum. Auf dieser Webseite werden laufend neue Geschichten und Einblicke in das Projekt aufgeschaltet, geplant sind zudem regelmässig neue Blogbeiträge, Audio-Podcasts und Kurzfilme, die einzelne Themen vertiefen. Ausserdem werden hier die Infos zu den Partizipationsprojekten publiziert.

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Aus touristischer Sicht erhoffen wir uns durch die Neuaufarbeitung der Aarauer Stadtgeschichte etwa neue Ansätze für das Marketing und vor allem neue Führungsinhalte. Insbesondere die Schilderungen von Zeitzeugen machen die Geschichte erlebbar. Das begeistert die Menschen für unsere Stadt, und zwar nicht nur Besucherinnen und Besucher, sondern auch Hiesige. Die neue Stadtgeschichte soll uns stolz auf unser Aarau machen, die Identifikation stärken, aber auch das Verständnis für aktuelle Herausforderungen fördern.

Danièle Turkier, Geschäftsführerin Aarau Standortförderung
Katja Schlegel ist Autorin der Neuen Stadtgeschichte Aarau. Für die Aargauer Zeitung schreibt sie bereits seit 13 Jahren über die Stadt und gräbt dafür am liebsten im Stadtarchiv nach neuen Geschichten.
Bildnachweise: Danièle Turkier, Bild: Michael Orlik. Marc Griesshammer, Bild: Severin Bigler/ CH Media. Hanspeter Hilfiker, Bild: Hana Solenthaler. Melanie Morgenegg/Raoul Richner (eigene Bilder)

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​Abteilung Kultur
Rathausgasse 1
​5000 Aarau

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